CSR - Projekt

© 2018 Tofisch & Partner Ende September bin ich zusammen mit Tilmann Waldthaler direkt nach Perth in Westaustralien geflogen. Ziel und Inhalt dieser Reise war das CSR Projekt. CSR heißt Canning Stock Rout. Benannt nach Alfred Canning, der um 1900 beauftragt wurde, die 2000 km lange Strecke von Wiluna nach Halls Creek für die xStockmansx, zu deutsch Viehtreiber gangbar zu machen. Gangbar das heißt, die Strecke so zu erkunden und vorzubereiten, dass große Viehherden gesund und ohne große Verluste von Norden nach Süden getrieben werden können. Dafür wurden 52 Wells eingerichtet. Wells sind Wasserstellen, zumeist Tiefbrunnen mitten im australischen Outback oder auch Wasserlöcher, die den Pionieren von ansässigen und kooperativen Aborigenes gezeigt wurden.

Fazit: Die landschaftlich atemberaubende Strecke ist heute 1900km lang und es gilt 900 Sanddünen zu überqueren. Die damals angelegten Wasserstellen, sind bis auf einige restaurierte verfallen und nicht mehr brauchbar. Heute ist die CSR die Strecke und der Traum -für jeden 4WD Enthusiasten. In der Hauptsaison (Juli bis September ) fahren die absolut wilde Bushstrecke bis zu 1500 Autos. Und die Biker...?

Nach unseren Erkenntnissen haben bereits zwei Biker die Strecke versucht mit dem Bike zu fahren. Wir konnten nur in Erfahrung bringen, dass diese mit einem Convoy an Begleitfahrzeugen die Strecke befahren und auch Teile aufgeladen haben. Es fehlte also die erste unsuported Befahrung der CSR per Bike.

© 2018 Tofisch & Partner Dieses Projekt haben sich Tilmann und ich vorgenommen. Natürlich bedarf es einiges an Erfahrung und Logistik, um so eine Strecke in Angriff zu nehmen. Wir haben den größten Teil der Vorbereitungen vor Ort in Perth erledigt. Tilmann konnte bereits in Deutschland eine Agentur ausfindig machen, die jährlich 4WD Touren durch die CSR unternimmt. Wir haben diese angeheuert, dass sie uns bei den Vorbereitungen helfen. Unser Konzept sah es vor, die gesamte Strecke vorher mit Geländegängigen Autos abzufahren und je nach Streckenverhältnissen Depots anzulegen und mit den Bikes von Halls Creek nach Wiluna zurückzufahren. So weit so gut.

In Perth haben Tilmann und ich Lebensmittel und 800l Wasser eingekauft und x4WD sicherx in den Autos verstaut und los gings. 1000km Anfahrstrecke über Mt. Magnet bis nach Wiluna ließen wir in 2 Tagen hinter uns. Davon war bereits gut die Hälfte sogenannte xdirt roadx, nicht asphaltierte Strasse.

In Wiluna angekommen tankten wir die Autos mit Diesel und füllte unsere Mägen noch einmal beim BBQ im einzigen Pup des Ortes bis zum Anschlag. Am nächsten Tag fuhren wir in aller Früh los. Das erste Well war gleich hinter dem Ort ein bisschen abseits der Straße erreicht. Das erste Depot wurde angelegt. Die Depots beinhalteten Wasser, je nach Streckenverhältnissen, Kaffe, Tee, Zucker, Müsli und Nahrung für einen Tag. Wir entschlossen uns die Depots in robusten Plastiksäcken anzulegen und diese zu vergraben und wo dies nicht möglich war, die Säcke mit Steinen oder Holz abzudecken.

Gesagt getan. Die Tage vergingen und wir benötigten bereits mit den Autos 14 Tage um die Strecke zu bewältigen. Bis zum Well 41 haben wir unsere Depots angelegt. Dies ist ca. ¾ der gesamten Strecke. Aber bereits 3 Tage vorher habe ich mit Tilmann über die Machbarkeit und Sinnhaftigkeit dieser Strecke- gesprochen und diskutiert. Was wir vom Auto aus gesehen haben hat uns beiden einige Stunden an Kopfzerbrechen bereitet. Beide waren wir mit voller Energie dafür das CSR Pojekt umzusetzen. Wir befanden uns zwar in einer landschaftlich einmaligen, einsamen Umgebung, die mehr australisches Outback nicht hätte sein können, aber gerade diese beinhaltete ihre Tücken. Nicht die Orientierung, das Wiederfinden der Depots, Wasser und Nahrungsmittel, die Einsamkeit, die Hitze oder die Kondition, waren Inhalt unserer Gedanken, nein, dafür waren wir vorbereitet und ausgerüstet: sehr schlechte und sandige Fahrspuren über hunderte von Kilometern, gewaltige Buschfeuer und die so entstandene Ungewissheit ob unsere Depots noch da waren, wo wir sie hingestellt oder vergraben hatten oder ob wir die Depots, die wir inzwischen bereits in 15km Abständen vergraben hatten überhaupt erreichen werden. Dazu stellte sich noch die Frage, was wenn ein oder zwei Depots nicht mehr da sind? Wir würden uns am Weg von Wiluna nach Halls Creek die Möglichkeit für einen Rückzug aufessen und aus unseren Wasserflaschen leeren. Damit gäbe es nur die Flucht nach Vorne, vielleicht...? zum nächsten Debot.

© 2018 Tofisch & Partner Einen wirklich sinnvollen Ausweg auf der Hälfte der Strecke, und dies sind immerhin 1000km gibt es nicht. Im oberen Drittel gibt es eine Aboriginal Comunity und im unteren Drittel eine Homestead (Farm), die jeweils ca. 50km abseits der Strecke zu erreichen wären.

Vergleichen könnte man dieses Unternehmen somit mit folgender Situation: Man sitzt auf dem Ast eines Baumes und fängt an diesen abzusägen und kalkuliert den nächsten unterhalb zu erreichen, bevor man den Ast durchgesägt hat und man abstürzt. Ich habe mich am Well 41 entschieden die Strecke aus den oben genannte Gründen nicht mit dem Bike zurückzufahren. Wobei für mich die sandige und bis 60% nicht fahrbare Strecke Hauptgründe dafür waren. Und ihr könnt mir glauben, diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen.

Viele werden sich denken, das hätte man von zu Hause auch planen und schon vorher abschätzen können. Ich bin der Meinung, dass man trotz der heute zur Verfügung stehenden Medien nicht alle Informationen dieser Erde einholen kann und somit seine Expedition vom Schreibtisch aus vorbereiten kann, für uns wird die Variable der Natur nie im Voraus berechenbar werden und immer unbekannt bleiben. Dies gilt für alle Abenteurer, die sich im Freien bewegen, sowie für alle Produkthersteller, die glauben am Zeichentisch weht der Wind oder schneit es.

Zurückblickend war für mich das CSR Projekt trotzdem ein Abenteuer und Erfolg. Es hat sich zwar nicht in den Beinen am Bike, aber dafür umso intensiver im Kopf abgespielt. Die Fahrt mit den Autos, über die Sanddünen, durch ausgetrocknete Flussbetten und ausgewaschene Felsen war für mich als Mountainbiker auch ein guter Grund zum schwitzen und einiges an Adrenalin auszuschütten. Fantastische Sonnenuntergänge, urtypische australische Abende am Lagerfeuer und ein Blick in den unendlich weiten australischen Sternenhimmel, ließen alle Mühe und Gedanken des Tages abkühlen und zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.