Gobi

© 2018 Tofisch & Partner Ewig streift mein Blick über die endlose Steppe tief unter uns. Endlich haben meine Augen den fernen Horizont erreicht. Irgendwo dort sind wir vor drei Wochen aus der Wüste Gobi aufgetaucht und haben den namenlosen Dreitausender, auf dessen Gipfel wir uns gerade von einem anstrengenden Aufstieg ausruhen, zum ersten Mal aus der Ferne gesehen.

Wir haben den höchsten Punkt unserer Reise erreicht und sitzen hier, im Herzen der Mongolei, auf geschichtsträchtigem Boden. Begonnen hat unsere Reise in die Heimat Dschingis Khans mit einer wilden Fahrerei. Doch die Landschaft des Otgon Tenger Uul Nature Reserve könnte nicht abwechslungsreicher sein: 40 m hohe Sanddünen, ausgedehnte Steppen, riesige Seen und Sumpfgebiete, sibirische Waldgürtel und atemberaubendes Bergland entschädigen uns für alle Strapazen. Doch wir sind trotzdem froh, als wir unser Basislager auf 2800 m erreicht zu haben. Endlich können wir unserer Lieblingsbeschäftigung nachgehen und das tun, zu dem wir hier her gekommen sind: In ausgedehnten, anspruchsvollen Treks das weglose Gelände, das vor uns vielleicht noch nie ein Mensch betreten hat, zu erkunden.

© 2018 Tofisch & Partner Ein Abenteuer, das in einem Land, das vier Mal so groß ist wie Deutschland und in dem pro Quadratkilometer statistisch gesehen gerade Mal 1,5 Einwohnern leben. Dafür, dass die Geschichte der Mongolei weltbekannt ist, sorgte einst Khan Dschingis, der mit Hilfe seiner wilden Reiterhorden zwischen dem Pazifischen Ozean und dem Mittelmeer das größte jemals existierende Reich eroberte. Mit einer Mischung aus klugem politischem Kalkül und brutaler Grausamkeit hielt er sein Imperium zusammen. Dschingis Khan war es übrigens auch, der das erste funktionierende Postsystem einführte.

Noch heute prägen Pferde und Jurten das Bild der Steppe. In der karger Landschaft können sie dem Boden das Nötigste abtrotzen, um Nahrung für sich und für ihr Schaf-, Ziegen-, Yak- und Pferdeherden zu finden. Oft werden wir von den überaus freundlichen Mongolen zum Tee oder auf eine Tasse Stutenmilch eingeladen. Manchmal bereiten Sie für uns sogar eine ihrer Spezilalitäten zu: „Ziege in der Milchkanne“. Es wird eine Ziege frisch geschlachtet und vorbereitet und kommt dann zusammen mit heissen Steinen, die zuvor in einem großen Feuer erhitzt worden sind in eine Milchkanne und werden gegart. Schmeckt gut. Staunend und tief beeindruckt lernen wir so langsam die Menschen und ihre Kultur besser kennen.

© 2018 Tofisch & Partner Dies alles geht uns durch den Kopf, als wir hier oben auf dem 3800 m hohen namenlosen Gipfel Blick und Gedanken schweifen lassen. Tief unter uns in der Steppe, über die einst Dschingis Khans Reiter donnerten, erahnen wir die winzigen Zelte unseres Base Camps. Es wird Zeit, die Reste unserer Brotzeit, Windjacken und Thermoskannen wieder in den Rucksäcken zu verstauen und den langen Abstieg in Angriff zu nehmen. Keiner von uns will sich im Moment daran erinnern, dass wir schon in einer Woche im Flugzeug sitzen werden, das uns und unsere tiefen Eindrücke zurück ins „enge“ Europa bringen wird.